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Checkliste: Prüfpunkte für PV-Generator und Wechselrichter


Die Errichtung einer Photovoltaikanlage unterliegt strengen normativen Vorgaben (insbes. DIN VDE 0100-600 und DIN EN 62446). Eine fachgerechte Prüfung gliedert sich in die Phasen der Besichtigung, Erprobung und Messung.

Normen-Update: Seit der Neufassung der VDE-AR-N 4105 müssen Wechselrichter zwingend über einen zertifizierten NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz) verfügen und auf das korrekte Länder-Setup (Deutschland) konfiguriert sein.

1. Systemauslegung und Komponentenauswahl

  • Spannungsfestigkeit: Sind alle DC-Komponenten (Kabel, Stecker, Trennschalter) für die maximale Systemspannung ausgelegt? Bei modernen Strings sind 1000V Standard, bei gewerblichen Anlagen bis 1500V.
  • Schutzklasse II: Ist die durchgängige doppelte oder verstärkte Isolierung gewährleistet? (Standard bei unseren KBE-Solarleitungen und Modulen).
  • Strombelastbarkeit: Berücksichtigung der Modulströme (heute oft 13A bis 14A). Bei Parallelschaltung von Strings ist die Strombelastbarkeit der Leitungen und Stecker kritisch zu prüfen.

2. Leitungsverlegung und Mechanik

  • Induktionsschleifen vermeiden: Plus- und Minusleitungen eines Strings müssen so nah wie möglich beieinander geführt werden. Große Flächen zwischen den Leitern ziehen bei Blitzeinschlägen hohe induktive Spannungen nach sich.
  • UV- und Witterungsbeständigkeit: Leitungen dürfen nicht direkt auf der Dacheindeckung liegen (Scheuergefahr, Wasserstau). Nutzung von UV-beständigen Kabelbindern und Schutzrohren.
  • Biegeradien: Einhaltung der Mindestbiegeradien der Solarleitungen (i.d.R. 5x Außendurchmesser), um Mikrorisse in der Isolierung zu verhindern.
  • Steckverbindungen: Verwendung systemgleicher Stecker (kein Mischen von MC4-Herstellern!), um Übergangswiderstände und Brandgefahr durch Lichtbögen zu minimieren.

3. Erdung und Blitzschutz

  • Funktionserdung: Das Montagesystem muss mit einem grün-gelben Leiter (min. 6mm², empfohlen 16mm² Kupfer) an die Haupterdungsschiene angeschlossen sein.
  • Potentialausgleich: Der Schutzleiter muss parallel zu den DC-Leitungen geführt werden, um Potentialunterschiede bei Überspannungen gering zu halten.
  • Überspannungsschutz (SPD): Installation von DC-Überspannungsableitern (Typ II oder Typ I+II) so nah wie möglich am Gebäudeeintritt.

4. Wechselrichter und AC-Anschluss

  • DC-Lasttrennschalter: Muss im oder am Wechselrichter vorhanden und frei zugänglich sein (vorgeschrieben zur sicheren Wartung).
  • NA-Schutz: Prüfung der Software-Einstellungen gemäß VDE-AR-N 4105 (Blindleistungsregelung, Abschaltgrenzen).
  • Kühlsituation: Gewährleistung ausreichender Luftzirkulation am Kühlkörper des Wechselrichters zur Vermeidung von "Derating" (Leistungsdrosselung bei Hitze).

5. Dokumentation und Kennzeichnung

  • Warnhinweise: "Achtung: PV-Anlage unter Spannung auch nach Ausschalten der Hauptsicherung" an allen relevanten Verteilerkästen.
  • Stromkreisbezeichnung: Eindeutige Zuordnung der Strings am Wechselrichter-Eingang.
  • Inbetriebnahmeprotokoll: Vollständige Dokumentation der Messwerte (Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom, Isolationswiderstand).
Experten-Tipp: Nutzen Sie für die DC-Verkabelung auf Flachdächern hochwertige Kabelrinnen oder geschlossene Kanäle. Dies schützt nicht nur vor UV-Strahlung, sondern verhindert auch effektiv Bissschäden durch Marder oder Nagetiere, die eine der häufigsten Ursachen für Isolationsfehler sind.