Messungen bei der Inbetriebnahme des PV-Generators
Die Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage ist kein bloßes „Einschalten“. Um Sicherheit, Ertrag und Gewährleistung zu garantieren, schreibt die Norm DIN EN 62446-1 (VDE 0126-23-1) spezifische Prüfungen vor. Diese müssen in einem Inbetriebnahmeprotokoll dokumentiert werden.
1. Durchgängigkeit der Schutz- und Potenzialausgleichsleiter
Bevor Spannung auf das System gegeben wird, muss sichergestellt sein, dass alle metallischen Teile (Modulgestell, Schienen) sicher mit der Haupterdungsschiene des Gebäudes verbunden sind.
- Ziel: Schutz vor elektrischem Schlag bei Isolationsfehlern.
- Prüfung: Messung des Widerstands zwischen Gestell und Erdung (Niederohmigkeit).
2. Polaritätsprüfung (Gleichspannung)
Eine falsche Polung (+/- vertauscht) kann moderne Wechselrichter beschädigen oder Schutzorgane außer Kraft setzen.
- Wichtig: Die Prüfung erfolgt vor dem Zusammenstecken der Strings mit dem Wechselrichter.
- Anforderung: Einsatz eines Multimeters der Kategorie CAT III / 1000V oder CAT IV.
3. Leerlaufspannung (Vo)
Hierbei wird die Spannung eines kompletten Strangs ohne Last gemessen.
- Vergleich: Der Messwert muss mit der Berechnung aus dem Moduldatenblatt (unter Berücksichtigung der Zelltemperatur) übereinstimmen.
- Physikalischer Faktor: Die Spannung ist stark temperaturabhängig. Faustformel: Je kälter es ist, desto höher die Spannung. Im Sommer liegen die Werte oft deutlich unter den STC-Werten des Datenblatts.
4. Kurzschlussstrom (I-SC) oder Betriebsstrom (I-MPP)
Diese Messung prüft, ob der erwartete Stromfluss zustande kommt oder ob z. B. eine Steckverbindung mangelhaft ist.
- Messung: Erfolgt entweder mit einem speziellen PV-Installationstester (Kurzschlussmessung) oder im Betrieb per Stromzange (in diesem Fall kann nur der Betriebsstrom gemessen werden, kein Kurzschlussstrom)
- Physikalischer Faktor: Der Strom ist direkt proportional zur Einstrahlung. Ein Vergleich zwischen parallelen Strings ist nur bei absolut identischer Ausrichtung und Zeitnähe sinnvoll (Toleranz < 5%).
5. Isolationswiderstand (R_iso) – Die wichtigste Sicherheitsmessung
Diese Messung stellt sicher, dass kein Strom vom stromführenden Kreis gegen Erde abfließt (z. B. durch ein eingeklemmtes Kabel oder defekte Modulrückseiten).
- Prüfspannung: In der Regel 1000V DC.
- Grenzwerte: Nach VDE gilt ein Mindestwert von 1 kΩ pro Volt Systemspannung (bei 1000V Systemspannung also min. 1 MΩ).
- Besonderheit: Je größer die Anlage (Fläche), desto geringer ist der Isolationswiderstand, da sich die natürlichen Ableitströme der Module summieren.
- Gefahr: Da PV-Module nicht "ausgeschaltet" werden können, steht der Generator unter Spannung. Diese Prüfung darf nur mit speziellen PV-Messgeräten durchgeführt werden, die den Kurzschlussstrom im Messmoment sicher handhaben.
Messungen dürfen nur durch elektrische Fachkräfte durchgeführt werden